Schwitzen
(Hyperhidrose)

Schwitzen ist eine normale Funktion des Körpers und ist notwendig für die Regulation der Körpertemperatur. Hyperhidrose ist die medizinische Bezeichnung für übermäßiges Schwitzen, bei der der Körper unabhängig von Umgebungstemperatur und körperlicher Anstrengung übermäßig Schweiß produziert. Die abgegebene Schweißmenge geht dabei über die für die Wärmeregulation erforderliche Schweißmenge hinaus.

Ursachen und Auslöser

In bestimmten Fällen ist die Schweißneigung durch eine andere Grunderkrankung (Primärerkrankung) ausgelöst. Dann spricht man von einer sekundären Hyperhidrose. Mögliche Ursachen sind bspw. Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Bluthochdruck, Unterzuckerung bei Diabetes, Erkrankungen des Nervensystems sowie Infektionserkrankungen. Auch natürliche hormonelle Veränderungen z.B. in den Wechseljahren oder die Therapie mit bestimmten Arzneimitteln (bspw. Schilddrüsenhormonen, Psychopharmaka) können zu einer Hyperhidrose führen. Hiervon abzugrenzen ist die primäre Hyperhidrose, die bei ansonsten gesunden Patienten auftritt. Die eigentliche Ursache für die gestörte Regulation der Schweißbildung bei primärer Hyperhidrose ist unklar. Oft findet man bei dieser Form der Hyperhidrose eine familiäre Häufung.

Nervosität, Stress sowie leichte körperliche Betätigung und eine erhöhte Umgebungstemperatur können Auslöser für das verstärkte Schwitzen sein.

Ca. 1–2 % der Bevölkerung sind von Hyperhidrose betroffen. Hyperhidrose tritt oftmals zeitlich begrenzt, z.B. in der Pubertät und im frühen Erwachsenenalter auf.

Symptome

Die vermehrte Schweißabsonderung kann am gesamten Körper, d.h. generalisiert auftreten oder wie bei der primären Hyperhidrose örtlich begrenzt sein auf bspw. Hände, Füße, Achselhöhlen oder den Kopf [Leitlinie Hyperhidrosis]. Beim gustatorischen Schwitzen (Frey-Syndrom oder Geschmacksschwitzen) kommt es zum Schwitzen am Kopf-Hals-Bereich durch Reize beim Essen. Hyperhidrose äußert sich in sichtbarer Nässe auf den betroffenen Hautbereichen, häufig zusammen mit einem unangenehmen Geruch. Ausmaß und die Lokalisation der Hyperhidrose können von Patient*in zu Patient*in variieren.

Die andauernde Feuchtigkeit kann zu Reizungen oder Entzündungen der Haut führen. Gefährdet sind dabei besonders Hautfalten. Das gesteigerte Schwitzen führt bei den Betroffenen häufig zu einem erheblichem psychischen Leidensdruck.

Auch Virus-, Bakterien- und Pilzinfektionen sind als Folge möglich, denn durch die erhöhte Feuchtigkeit weicht die Haut auf und verliert ihre Schutzfunktion. Zudem können sich in einer, durch starkes Schwitzen bedingten feucht-warmen Umgebung Bakterien und Pilze besser ansiedeln und zu Infektionen führen. So sind zum Beispiel Schweißfüße mit ein Risikofaktor für Fuß- und Nagelpilz.

Diagnostik

Die Diagnose der primären Hyperhidrose erfolgt hauptsächlich unter Berücksichtigung der Krankheitsgeschichte, der Symptome und möglicherweise ergänzenden Tests zur Einschätzung des Schweregrades. Bei einer primären Hyperhidrose sind keine weiteren Labortests erforderlich. Ansonsten sollten andere der Hyperhidrose zugrundeliegende Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Der Schweregrad der Übermäßigkeit des Schwitzens kann subjektiv über Skalen gemessen werden. Objektiv bietet der Jod-Stärke-Test eine Möglichkeit, um die Größe des betroffenen Hautbereiches farblich sichtbar zu machen. Darüber hinaus lässt sich die Schweißmenge durch Auflage eines Filterpapiers auf die betroffene Fläche bestimmen. Der aufgenommene Schweiß kann nach einer bestimmten Zeitspanne gewogen werden [Leitlinie Hyperhidrosis].

Behandlung

Allgemeine Maßnahmen zur Reduzierung der Hyperhidrose

Empfohlen wird ein stufenweises Vorgehen bei der Behandlung der Hyperhidrose (Leitlinie). In jedem Fall sollten allgemeine Maßnahmen zur Reduzierung des Schwitzens umgesetzt werden (entsprechende Kleidung (auch Schuhe), Vermeiden von Auslösern wie scharfes Essen, Alkohol, heißen Getränken, Nikotin, Anwendung von Entspannungstechniken, u.w.).  Im Vordergrund steht darüber hinaus die äußerliche Behandlung mit Antitranspirantien wie Aluminiumchlorid oder Gerbstoffen, die die Schweißdrüsenausführungsgänge verschließen.

Äußerliche Behandlung mit Antitranspirantien wie Tannosynt® flüssig

Als aluminiumsalzfreie Therapie steht zum Beispiel Tannosynt® flüssig zur Verfügung. Der Gerbstoff Tamol in Tannosynt® wirkt adstringierend. So wird die Hautbarriere verdichtet und die Schweißdrüsen werden verschlossen. Bis zu 3 × täglich 5 ml Tannosynt® flüssig in 5 l Wasser lösen und die Lösung zum Waschen, für Umschläge oder ein Teilbad (z. B. Hand- oder Fußbad) nutzen.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei hartnäckiger Hyperhidrose

Für hartnäckigere Fälle steht die Iontophorese zur Verfügung, ein physikalisches Verfahren, das schwachen elektrischen Strom nutzt. Allerdings sind dafür mehrere Anwendungen pro Woche erforderlich. Wird hiermit keine Besserung erreicht, können Injektionen von Botulinumtoxin (Botox) in Erwägung gezogen werden. Auch eine thermische Schädigung der Schweißdrüsen mit Radiofrequenz, Mikrowellen und fokussierten Ultraschall ist ebenfalls eine Möglichkeit, die Stärke der Hyperhidrose zu reduzieren. Wenn all diese Behandlungsmethoden nicht ausreichend die Symptome lindern, kann im Einzelfall die operative Entfernung von Schweißdrüsen vorgenommen werden. Vorübergehend können auch einzunehmende Wirkstoffe (Anticholinergika, Salbei) zum Einsatz kommen. Anticholinergika wirken aber nicht spezifisch auf die Schweißdrüsenfunktion und können unerwünschte Nebenwirkungen u.a. Mundtrockenheit, Sehstörungen, Blasenstörungen mit sich bringen.

Weitere Informationen zu Hautkrankheiten:

Neurodermitis
(Atopisches Ekzem)

Bei einem Neurodermitis-Schub ist die Haut entzündet, schuppig und gerötet, es kann auch zu Bläschen und Knötchen führen. Dazu kommt ein starker Juckreiz, der zu regelrechten Juckattacke führen kann.

Wundreiben
(Intertrigo)

Ob beim Joggen, Wandern, Radfahren oder Bummeln: Scheuert Haut auf Haut oder Haut auf Stoff, kann die Hautbarriere geschädigt werden. Die Haut ist wund, juckt und kann schmerzen.

Ekzeme

Ein Ekzem stellt eine entzündliche, meist juckende, nicht ansteckende Hauterkrankung dar, die in verschiedenen Formen auftreten kann, z.B. Kontaktekzem, Lippenleckekzem oder dyhidrotisches Ekzem.

Windeldermatitis

Der Windelausschlag, auch Windeldermatitis genannt, zählt zu den häufigsten Hautproblemen bei Babys und tritt bei einem Drittel der Säuglinge auf. Es handelt sich um einen entzündlichen Ausschlag im und um den Windelbereich.

Tannosynt® Creme gegen Entzündung und Juckreiz, flüssig, Lotio.

Wirkstoff: Phenol-Methanal-Harnstoff-Polykondensat, sulfoniert, Natriumsalz (Synthetischer Gerbstoff). Anwendungsgebiete:Synthetischer Gerbstoff hat eine entzündungshemmende und juckreizlindernde Wirkung und lässt sich bei folgenden Erkrankungen einsetzen: Creme: Unterstützende Behandlung von Hauterkrankungen mit Entzündung, Nässen und Juckreiz. Flüssig: Symptomatische Behandlung von akuten, entzündlichen, nässenden und juckenden Hauterkrankungen an schwer zugänglichen Hautpartien, z. B. in den Körperfalten und im Anal- und Genitalbereich; unterstützende Behandlung bei Hautentzündungen im Windelbereich (Windeldermatitis) und bei übermäßiger Schweißabsonderung (Hyperhidrosis). Lotio: Akut entzündlichen, nässende und juckende oberflächliche Hauterkrankungen, insbesondere in Hautfalten; Hautentzündungen im Windelbereich (Windeldermatitis) beim Säugling und Kleinkind; Lokalbehandlung juckender Hautausschläge, z. B. Windpocken oder übermäßiger Schweißabsonderung (Hyperhidrosis). Warnhinweise: Creme: Enthält Cetylalkohol und Propylenglycol. Flüssig: Nicht unverdünnt anwenden. Darf nicht in die Augen kommen. Lotio: Enthält Methyl-4-hydroxybenzoat und entölte Phospholipide aus Sojabohnen. Stand: Tannosynt Creme: Oktober 2020; Tannosynt flüssig: Februar 2018; Tannosynt Lotio: Juni 2020.

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Arztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

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